Besuch im CERN

Gestern hatte ich die Möglichkeit, das CERN in Genf im Rahmen einer Exkursion zu besuchen. Es ist schon recht beeindruckend, wie groß der ganze Komplex ist. Dadurch war es natürlich auch nicht möglich, das ganze Gelände und alle der großen Experimente am CERN zu sehen. So war die Exkursion überwiegend auf ein Teilexperiment des LHC beschränkt, auf ATLAS.

ATLAS ist einer der Detektoren im 27 Kilometer langen Teilchen-Beschleunigungsring des CERN. Er soll helfen, die so genannten Higgs-Teilchen zu finden und nachzuweisen sowie zur Erforschung der Teilchen, welche dunkle Materie erzeugen, beitragen. Dazu werden Protonen in entgegengesetzter Richtung in dem Beschleuniger auf Geschwindigkeiten nahe der Lichtgeschwindigkeit gebracht und frontal aufeinander geschossen. Wenn diese Teile dann kollidieren, werden neue Teile erzeugt, welche denen kurz nach dem Urknall ähneln sollen. Interessant ist, dass nach Aussage unseres Guides im CERN, nur knapp 4% der Teilchen im Universum bekannt sind. So gesehen wissen wir fast nichts über das, was uns umgibt.

Zum technischen Teil der Exkursion bzw. des Teilchenbeschleuniger kann ich nur sagen, dass ich sehr erstaunt war (als Informatiker und Nicht-Physiker). So wird der Ring mittels flüssigem Helium auf die Temperatur von 1.8 Kelvin (-271.3 Grad Celsius) gekühlt um die für die Experimente wichtigen Bedingungen zum Betrieb der Magnete zur Beschleunigung der Teilchen zu erreichen. In dem Ring liegt so z.B. eine Spannung von 1 Volt und einer Stromstärke von 20.000 Ampere an. Bei der Kollision der Protonen entstehen Temperaturen, die um den Faktor 100.000 größer sind als die in unserer Sonne. Einfach irre wa der Mensch da geschaffen hat. Der LHC ist zur Zeit noch wegen eines Unfalls ausser Betrieb, wird aber wohl nach noch einigen notwendigen Tests in wenigen Monaten wieder den Betrieb aufnehmen.

Die Historie hat den Grundstein des CERN gelegt. Als nach dem zweiten Weltkrieg die meisten Wissenschaftler aus Europa geflohen waren bzw. dies auch freiwillig verliessen, schlossen sich zunächst einige europäische Staaten zusammen und gründeten das CERN. Die Idee war, dort Forschern dieselben guten Bedingungen zu bieten wie damals in den USA und somit wieder Wissenschaftler zurücknach Europa  zu locken. Dies ist gelungen und mittlerweile sind auch Staaten wie die USA oder Japan und Russland daran beteiligt. Interessant finde ich vor allem, dass das CERN die Ergebnisse der Forschung der ganzen Menschheit frei zur Verfügung stellt- quasi Open Source Grundlagenforschung für eine besseres Verständnis Welt.

Was sicherlich auch bekannt ist, ist dass das WWW vor 20 Jahren im CERN von Tim Berners-Lee erfunden wurde. Die erste Internetseite der Welt war die Informationsseite des CERN, welche unter http://info.cern.ch/ erreichbar war. Faszinierend was aus einer einfachen Idee zur besseren Information der CERN Mitarbeiter bis heute wurde. Im Bezug auf unseren Suchmaschinen-Giganten Google muss ich allerdings sagen: schade, dass eine solche Seite nicht den Pagerank 11 hat. Wer sonst könnte solch eine Auszeichnung verdienen ;-)

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